Entscheidungsstrukturen der Akteure

 

Eine wesentliche Komponente für die Abschätzung des nachhaltig realisierbaren Bioenergie­potentials ist das Entscheidungsverhalten der Landwirte. Dieses Entscheidungs­verhalten ist einerseits abhängig von agrarischen und energiewirtschaftlichen Rahmen­bedingungen, anderseits von den Merkmalen des landwirtschaftlichen Betriebes und der persönlichen Charakteristik des Betriebsführers. Wie und warum sich Landwirte unter bestimmten Rahmenbedingungen für oder gegen die Bereitstellung von landwirtschaftlichen Energieträgern entscheiden, wurde im Rahmen von qualitativen Interviews mit Landwirten und landwirtschaftlichen Interessensvertretern erfragt.

Die Ergebnisse der Interviews zeigen, dass im Wesentlichen drei Typen mit charakteristischen Entscheidungsmustern zu unterscheiden sind:

  • Innovative Betriebe,
  • Betriebe mit traditionellem Entscheidungsverhalten und
  • Utilitaristisch entscheidende Betriebe.

 

Generell spielen folgenden hemmende und begünstigende Faktoren für die Produktion landwirtschaftlicher Energieträger eine Rolle. Diese können weiter in persönliche, betriebsinterne, externe und naturräumliche Faktoren eingeteilt werden.


Begünstigende Faktoren

Persönliche Faktoren

  • Innovative Haltung, Neugier, Aufgeschlossenheit, bessere Ausbildung, Technikbegeisterung
  • Wertehaltung – Wunsch, etwas Positives zu tun
  • Jugend

Betriebsinterne Faktoren

  • Hofübernahme (insbesondere bei Tierbetrieben relevant, Entscheidung, ob in Stall investiert wird oder extensiviert wird, Energieträgerproduktion ist eine Alternative)
  • Investitionsentscheidungen stehen an.
  • Reduktion der Arbeitskraft (z. B. durch Alter, Abwanderung der nächsten Generation, außerlandwirtschaftliche Erwerbsarbeit)
  • Finanzielle Unabhängigkeit, z. B. bei Nebenerwerb oft gegeben.
  • Fläche kann zugepachtet werden.
  • Zu geringes Haushaltseinkommen, weitere Einkommensquellen werden gesucht.
  • Angeschlagenes Betriebsimage, das aufgebessert werden soll (betrifft nur Großbetriebe).

Externe Faktoren

  • Image der Energieträgerproduktion
  • Funktionierende Kooperation, insbesondere bei Maschinennutzung und Ausgleichen von Arbeitsspitzen in Form z. B. des Maschinenrings
  • Startförderung und laufende Kostendeckung
  • Abnahmeverträge
  • Angemessene, nicht geregelte freie Preise, Nachfrage muss passen.
  • Förderungen
  • Geringe Preise für Nahrungsmittel
  • Indexgebundene Einspeisetarife
  • Zahlungssicherheit/attraktive Zahlungskonditionen

Naturräumliche Faktoren

  • Sumpfige Wiesen können insbesondere für Kurzumtrieb verwendet werden.
  • Grenzertragsböden können für Energieträgerproduktion genutzt werden.


Hemmende Faktoren:

Persönliche Faktoren

  • Risikoaversion/Risikoscheues Verhalten
  • Noch nicht ausgereifte Anbau- bzw. Ernteverfahren bei bestimmten Kulturarten
  • Mangelnde Kooperationsbereitschaft (gilt in erster Linie für ENERGIEerzeugung z. B. mittels Biogasanlage und weniger für Produktion landwirtschaftlicher Energieträger, ist oft genossenschaftlich organisiert und damit Kooperationsfähigkeit erforderlich)
  • Persönliches Wertesystem nicht passend zur Energieträgerproduktion: Energieproduktion wird als ethisch nicht vertretbar gesehen, weil Lebensmittel produziert werden könnten.
  • Zu wenig Erfahrung des Landwirts mit einer Kulturart z. B. mit Ölfrüchten
  • Gebundenheit an die Vorstellungen der Elterngeneration

Betriebsinterne Faktoren

  • Tierhaltung, die nicht aufgegeben werden soll, und damit zu wenig Flächenverfügbarkeit
  • Zu wenig Arbeitskraft/Arbeitszeit verfügbar
  • Zu geringe Liquidität
  • Langfristig gebundenes Kapital (z. B. durch kürzliche Investitionen in Stall)

Externe Faktoren

  • Preisinstabilität
  • Fehlende Förderkontinuität
  • Fehlende Rentabilität
  • Flächenknappheit
  • Einschränkung der zukünftigen Wahlfreiheit (z. B. bei Kurzumtrieb)
  • Erhöhter Arbeitsaufwand (z. B. bei Rapspflege)
  • Verstärkte Intensivierung (z. B. bei Rapspflege)
  • Unzureichende Abnahmemöglichkeit der Energieträger, Entfernung zur nächsten Veredelung/Energieträgerweiterverarbeitung
  • Zu wenig Information (Beratung) für Neueinsteiger
  • Nachfrage langfristig nicht gesichert.
  • Bürokratische Förderabwicklung

Naturräumliche Faktoren

  • Standortbedingungen und/oder Bewirtschaftungsverfahren bestimmter Kulturarten für den Betrieb nicht passend  
  • Fruchtfolgenproblematik – Folgekosten der Rekultivierung (bei Kurzumtrieb)

 (Für eine detailliertere Darstellung der Ergebnisse wird auf den Endbericht verwiesen.)