Empfehlungen

·      Forcierung inländischer Biomassebereitstellung  
Von der derzeit in Österreich energetisch genutzten landwirtschaftlichen Biomasse stammt ein Großteil aus ausländischem Anbau. Die Nutzung regional verfügbarer Rohstoffe ist aus mehreren Gründen einer auf Importen basierenden Biomassenutzung vorzuziehen: So können inländische Wertschöpfungseffekte maximiert, Transport­entfernungen (und die damit verbundenen Emissionen) reduziert, ein Beitrag zur Versorgungssicherheit gewährleistet und nicht nachhaltige Erzeugung in Exportländern ohne entsprechende Auflagen vermieden werden. Daher sollten in erster Linie Nutzungspfade forciert werden, die auf Basis regionaler Bereitstellungsketten basieren (z.B. Biogaserzeugung, Nutzung von Stroh).

·      Forcierung regionaler Vermarktung          
Die Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Energieträger ist zu forcieren. Die in der EnergieStrategie Österreich vorgeschlagene Maßnahme, regionale Biomassehöfe zu errichten, kann in diesem Sinne befürwortet werden. Des Weiteren sollte die Einführung weiterer normierter Brennstoffe wie Strohpellets forciert werden.

·      Förderung von Energieholzplantagen       
Die Produktion von Festbrennstoffen auf landwirtschaftlichen Flächen (Kurzumtriebsholz, Miscanthus u.ä.) stellt einen vielversprechenden Bereitstellungspfad biogener Brennstoffe dar, der forciert werden sollte. Insbesondere sollten Förderungen dazu dienen, die Barriere der hohen Investitionskosten und langfristigen Bindung von Flächen zu überwinden.

·      Forcierung von Zertifizierung importierter Biomasse / Energieträger       
Um die Nachhaltigkeit importierter biogener Ressourcen zu gewährleisten, sind entsprechende Systeme zum Nachweis und der Zertifizierung von Biomasse nötig. Dies stellt eine Voraussetzung für die gesellschaftliche Akzeptanz von (globalen) Biomassehandel und damit der Biomassenutzung insgesamt dar.

·      Gezielte Förderung der Reststoffnutzung (insbesondere bei Biogas)     
Die Nutzung von Reststoffen und Abfällen sollte aufgrund der im Allgemeinen guten Umweltbilanzen und im Sinne der Vermeidung von Rohstoff- und Flächenkonkurrenzen gezielt gefördert werden. Insbesondere bei der Biogaserzeugung bietet sich eine derartige Maßnahme an, da verschiedenste, kaum anderwärtig verwertbare Reststoffe genutzt, und die Umweltbilanzen dadurch gegenüber einer Nutzung von Maissilage u.ä. signifikant verbessert werden können. Diese Maßnahme kann auch zur Vermeidung von geringer Diversität beim Energiepflanzenanbau und einer Intensivierung der Flächennutzung beitragen.

·      Definition spezifischer Förderbedingungen und Monitoring          
Um einen effizienten Betrieb von Biomasseanlagen zu gewährleisten, sind spezifische Förderbedingungen wie die bei KWK-Anlagen geforderten Gesamtnutzungsgrade, bei Heizwerken gewährte Zuschläge zum Fördersatz bei Nutzung regionaler Biomasse­vorkommen oder Vorgaben bei der Planung und Auslegung von Heizwerken ein probates Mittel. Ohne hier näher auf technologie- und rohstoffspezifische Aspekte eingehen zu können, wird empfohlen, Förderungen stets an angemessene Bedingungen zu knüpfen, und deren Einhaltung zu prüfen.

·      Optimale Standortwahl – Erhebung nachfrageseitiger Potenziale           
Die ökonomische und ökologische Effizienz vieler Anlagentypen hängt in hohem Maße von den Gegebenheiten am jeweiligen Standort ab. Die oben genannten Förderbedingungen sollten dazu führen, dass Anlagen an optimalen Standorten errichtet werden. Erhebungen der Bedarfsstrukturen, d.h. nachfrageseitiger Potenziale können zur Identifikation optimaler Standortbedingungen und Ableitung gezielter Fördermaßnahmen und –bedingungen beitragen.

·      Forschung und Entwicklung         
Forschung und Entwicklung ist im Bereiche der landwirtschaftlichen Energieträger­produktion zu forcieren, insbesondere die Züchtung von Energiepflanzen, die Erprobung von Energie­pflanzen und Fruchtfolgen unter verschiedenen Standortbedingungen und der Anbau verschiedener Zwischenfrüchte und Mischkulturen, aber auch im Bereich der Entwicklung und Verbesserung von Technologien (z.B. Biogasaufbereitung, Produktion von SNG, Biomasse-Kleinfeuerungsanlagen für landwirtschaftliche Brennstoffe und Kessel kleinster Leistung).

·      Verbesserung der statistischen Datenerfassung 
In vielen Bereichen weist die statistische Datenerfassung im Bereich der land­wirtschaftlichen Biomassenutzung Mängel auf, die behoben werden sollten. So wäre beispielsweise die lückenlose Erfassung von Handelsströmen landwirtschaftlicher Energieträger bzw. Kraftstoffe (auch in Form von Mischungen), z.B. über Herkunftsnachweise oder der eingesetzten Biogassubstrate wünschenswert, da die Kenntnis des Status quo für eine strategische Planung von großer Bedeutung ist.

·      Definition von Prioritäten in der Landwirtschaft bzw. Agrarpolitik
Die derzeitige Agrarpolitik ist zum Teil von konkurrierenden Zielsetzungen geprägt. So sind beispielsweise Wirtschaftlichkeit mit Nachhaltigkeit oder Landschaftspflege mit einer Steigerung der Produktivität nur über Trade-offs zu vereinbaren. Empfehlungen für die landwirtschaftliche Energieerzeugung bewegen sich stets in diesem Spannungsfeld, und sind ohne eine klare Prioritätensetzung in der Regel nicht objektivierbar.  
Ebenso ist zu klären, welche Stellung der Versorgungssicherheit mit Energie gegenüber jener mit Nahrungsmitteln eingeräumt werden soll. Beim derzeitigen Konsumniveau ist mit der Nutzung einer bestimmten Ackerfläche in der Regel eine höherer Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln als bei Energie zu bewerkstelligen, d.h. dass die Produktion von Nahrungsmitteln hinsichtlich eines „Gesamt-Selbstversorgungsgrades“ effizienter ist.

·      Sorgsamer Umgang mit der Ressource Boden   
Biomasseerzeugung beruht auf Fläche. Neben der Konkurrenz zu anderen agrarischen Nutzungsformen, kommt es auch durch die Versiegelung landwirtschaftlicher Flächen zu einer Verschärfung der Konkurrenz um die Ressource Boden. Der historische Trend zeigt, dass in Österreich im Durchschnitt täglich 15 ha an landwirtschaftlicher Fläche (entspricht der Größe einer kleineren Landwirtschaft) versiegelt und als Bauland bzw. für Infrastruktur genutzt wird.        
Um einer zunehmenden Flächenkonkurrenz entgegenzuwirken, muss mit der verfügbaren Fläche sorgsam umgegangen werden. Bauland muss entsprechend effizient genutzt werden (Bebauungsdichten, Bebauungsweisen), und der flächenmäßige Ausbau von Infrastruktur strikt geprüft werden.

·      Definition von (energie-) wirtschaftlichen und klimapolitischen Prioritäten          
Ebenso fehlen aus (energie-) wirtschaftlicher Sicht eindeutige Prioritäten, die die Ableitung von allgemeingültigen Empfehlungen ermöglichen. So stellen sich beispielsweise die Fragen, welche Förderkosten zur Reduktion von Treibhausgasreduktion gerechtfertigt sind oder welche Bedeutung der der Versorgungssicherheit gegenüber der Einsparung von Treibhausgasemissionen beizu­messen ist.

·      Forcierung von Erneuerbaren durch Internalisierung externer Effekte    
Die prinzipielle Forderung, energetische Biomassenutzung nur dann zu forcieren, wenn sie gewissen Nachhaltigkeitskriterien genügt, ist gerechtfertigt und sollte bei der Ausgestaltung von Förderinstrumenten berücksichtigt werden. Da für konventionelle Energiesysteme in der Regel jedoch keine derartigen Forderungen gestellt werden, bergen Nachhaltigkeitskriterien die Gefahr, zur Beibehaltung des Status quo, das heißt des auf fossilen Energieträgern basierenden Energiesystems beizutragen. Die Internalisierung externer Effekte (z.B. über CO2-Steuern) stellt ein adäquates Instrument zur Vermeidung negativer Effekte und Forcierung effizienter Technologien dar.

·      Ressourceneffizienz
Ein effizienter und sparsamer Umgang mit biogenen und fossilen Ressourcen ist zu forcieren; nicht nur im Bereich der Energieerzeugung, sondern auch bei der stofflichen Nutzung und der Nahrungsmittelversorgung.