Ergebnisse des Agentenbasierten Modells

Aus den Interviewergebnissen geht hervor, dass im Wesentlichen zwischen drei Entscheidungstypen zu unterscheiden ist: Innovative, traditionelle und utilitaristische Betriebe. Innovative Betriebe stellen nach Einschätzung der Befragten die kleinste Gruppe dar (5 bis 10% aller Betriebe in Österreich). Sie zeichnen sich durch eine hohe Bereitschaft, Neues auszuprobieren aus, selbst wenn dies mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Sofern innovative Betriebsführer von der Sinnhaftigkeit überzeugt sind, sind diese Betriebe am leichtesten (d.h. ohne bzw. mit geringen finanziellen Anreizen) zur landwirtschaftlichen Energieerzeugung zu bewegen.

Das Entscheidungsverhalten traditioneller Betriebe, die etwa 75 bis 80% aller Betriebe ausmachen, hängt im Wesentlichen vom Produktions- und Erwerbstyp sowie von der Einkommenssituation ab. Betriebe mit Tierhaltung haben oft nicht die Möglichkeit landwirtschaftliche Flächen für die Energieträgerproduktion bereitzustellen, da diese Flächen für die Viehzucht benötigt werden. Sollte aus wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen die Tierhaltung aufgegeben werden, stellt die Energieträgerproduktion jedoch eine attraktive Alternative dar. Traditionelle Marktfruchtbetriebe hingegen sind weitaus flexibler und können auch kurzfristig auf Energieträgerproduktion umsteigen, sofern dies mit einem höheren Deckungsbeitrag verbunden ist. Gemischte Betriebe, die häufig auch über Waldflächen verfügen, zeichnen sich nach Einschätzung der Interviewpartner durch die höchste Bereitschaft zur Bewirtschaftung von Kurzumtriebsflächen aus.

Für utilitaristisch entscheidende Betriebe stehen Preis- und Markterwartung im Vordergrund. Im Gegensatz zu traditionellen Betrieben haben bei utilitaristischen Betrieben Förderungen für die Energieträgerproduktion keinen so bedeutenden Einfluss auf das Entscheidungs­verhalten, da für sie längerfristige Marktentwicklungen entscheidend sind.

In den Interviews wurden zahlreiche hemmende und begünstigende Faktoren für eine landwirtschaftliche Energieträgerproduktion bzw. Energieerzeugung genannt. Diese werden in persönliche, betriebsinterne, externe und naturräumliche Faktoren eingeteilt. Zu den persönlichen Faktoren zählen beispielsweise die Risikobereitschaft, persönliche Präferenzen und Wertehaltungen oder persönliche Erfahrungen. Betriebsinterne Faktoren spiegeln die Lage des Betriebes wider, beispielsweise die Verfügbarkeit freier Flächen, Liquidität oder kürzlich getätigte oder bevorstehende Investitionen. Unter externe Faktoren fallen Förderungen, Abnahmeverträge, Zahlungskonditionen und Marktpreise. Die naturräumlichen Gegebenheiten bzw. die Eignung verschiedener Energiepflanzen für die zur Verfügung stehenden Flächen können unter „naturräumliche Faktoren“ zusammengefasst werden.

Hauptergebnis des agentenbasierten Modells AGRIEN sind die bei verschiedenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen resultierenden Flächenanteile (Acker- und Grünland), die zur Energieträgerproduktion eingesetzt werden. Insgesamt wurden neun unterschiedliche Szenario-Kombinationen simuliert, wobei die Rahmenbedingungen für Landwirtschaft und Bioenergieproduktion mittels Indikatoren für Wirtschaftlichkeit von Markterwartung von „ungünstig“ bis „vorteilhaft“ variiert wurden. Die Simulationsergebnisse zeigen, dass in den betrachteten Szenarien zwischen 4 % und 30 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche für die Produktion von landwirtschaftlichen Energieträgern aufgewendet wird (siehe Tabelle). Der höchste Anteil wird erwartungsgemäß bei unvorteilhaften Rahmenbedingungen für die Land­wirtschaft („Landwirtschaft Contra“), aber sehr günstigen Rahmenbedingungen für die Bioenergieproduktion („Bioenergie Pro“) erzielt.

 


Zusammenfassung der Simulationsergebnisse des Modells AGRIEN: Flächen zur Energieträgerproduktion in Österreich im Jahr 2030 unter Annahme verschiedener landwirtschaftlicher und energiewirtschaftlicher Rahmenbedingungen (berücksichtigt sind sämtliche Acker- und Grünlandflächen mit Ausnahme des Hauptproduktionsgebiets "Hochalpengebiet")

 

(Für eine detailliertere Darstellung der Ergebnisse wird auf den Endbericht verwiesen.)